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Der etwas andere Einsatzbericht - Teil 5 von 5

07.10.2018

 

Vor gut fünf Wochen konnte vom Waldbrand bei Frohnsdorf, einer der größten in der Geschichte Brandenburgs, „Feuer aus“ gemeldet werden. 9 Tage Dauereinsatz, ca. 400 Hektar verbrannte Fläche, drei evakuierte Ortschaften und rund 5000 eingesetzte Einsatzkräfte verschiedener Hilfsorganisationen. Von der ersten bis zur letzten Minute mit dabei, die ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden unserer Ortsfeuerwehr.

 

Wie haben diese die Tage im Wald erlebt? Was sind ihre Eindrücke? Wir stellen einige Feuerwehrfrauen und -männer mit ihren ganz persönlichen Erlebnissen vor … der etwas andere Einsatzbericht. Heute Teil 5 von 5.

 

Name: Steven Bartel

Alter: 22

Dienststellung: Truppführer

Familienstand: ledig

Beruf: Anlagen- und Maschinenführer

 

Als uns der Alarm für den Waldbrand in den Mittagsstunden des 23. August erreichte, war ich gerade bei einer Fahrstunde für meinen über die Feuerwehr finanzierten LKW-Führerschein. Erst nach dem Ende der Tour sah ich auf meinem Handy, dass ein Einsatz eingegangen war.

 

Auf der Rücktour von Luckenwalde nach Hause, sah ich bereits die riesige Rauchwolke am Himmel. So fuhr ich nicht wie geplant nach Hause, sondern direkt zur Feuerwache. Dort angekommen besetzte ich gemeinsam mit einem Kameraden unser Logistikfahrzeug um Wasser für die eingesetzten Kräfte zur Einsatzstelle zu bringen. Bei der Ankunft in Frohnsdorf waren bereits schon gegen 15 Uhr gefühlt mehr Feuerwehrleute im Ort, als das Dorf Einwohner hat.

 

Wir stationierten uns an einem Löschwasserbrunnen in der Waldsiedlung, wo unsere Frohnsdorfer Kameraden eine Wasserentnahmestelle eingerichtet hatten und die Tanklöschfahrzeuge, die von der Brandstelle kamen, zu betanken. Doch schon nach ungefähr zwei Stunden und mehreren 10000 Litern Wasser später war die Wasserentnahmestelle erschöpft. Dringend musste eine andere her. Die Einsatzleitung entschied, weiter unten im Dorf, das alte Wasserwerk wieder in Betrieb nehmen zu lassen und dort die Fahrzeuge zu betanken. Auch wir stationierten uns dort und versorgten die Einsatzkräfte weiter. Die Rauchwolke, welche gefühlt gleich hinter den letzten Häusern im Dorf begann, wurde immer größer. Furchteinflößend war, dass sie ständig ihre Farben wechselte, von weiß bis leicht gelblich über tief schwarz war alles dabei. Fast im Minutentakt rumste explodierende Altmunition.

 

So kam es, dass wir die Lautsprecherwagen hörten, welche durchs Dorf fuhren, um die Anwohner zu evakuieren. Gerade bei den Kameraden der Frohnsdorfer Feuerwehr, mit denen ich ja an der Wasserentnahmestelle stand, löste diese Nachricht viele Emotionen aus. Aber eine Aussage trafen alle übereinstimmend „Wir kämpfen für unser Dorf und lassen es nicht im Stich.“ So kommt für die Kameraden selbst die Übernachtung bei Freunden, Verwandten oder gar in einer Notunterkunft nicht in Frage. Lediglich wurde das Packen der wichtigsten Sachen und die Unterbringung der Familien organisiert. Die Kameraden aber blieben vor Ort.

 

Am Abend, vielleicht war es gegen 21 Uhr, kamen meine Treuenbrietzener Kameraden, die seit dem Mittag im Einsatz wahren, mit unseren beiden Löschfahrzeugen aus dem Wald. Wir tauschten Personal aus sodass ich nun auf unserem Tanklöschfahrzeug saß.

 

Auf einmal wurde es hektisch, die Brandschutzeinheit aus Elbe-Elster brauchte im Einsatzabschnitt bei Klausdorf, welches zu diesem Zeitpunkt akut vom Feuer bedroht war, Unterstützung. Unser Fahrzeug setzte sich zügig in Bewegung. In einem Waldstück nahe der B102 wurde bereits angefangen eine s. g. Riegelstellung aufzubauen, um auf einer Fläche von mehreren hundert Metern ein Bodenfeuer von ca. 40cm Höhe aufzuhalten. Doch schnell war klar, das dafür zu wenig Wasser zur Verfügung stehen würde und auch die Entfernung, auf der die Schlauchleitung verlegt werden hätte müssen, am Ende keinen löschfähigen Strahl mehr am Strahlrohr produziert hätte.

 

Während unser Maschinist mit dem Fahrzeug unermüdlich Löschwasser, im Pendelverkehr, zur Einsatzstelle brachte, um wenigstens etwas löschen zu können, entschied sich unser Gruppenführer dafür, den Brand zu versuchen mit einer „alten Methode“ einzudämmen.

 

So wurden wir mit Schippen, Spaten und Feuerpatschen im Wald „ausgesetzt“, um eine Brandschneise zu schlagen. Weil der Wald, in dem wir eingesetzt waren, als nicht munitionsbelastet galt, sollte dies gefahrlos vonstattengehen.

 

Unterstützung, bei der uns gestellten Aufgabe, erhielten wir von Kameraden der Michendorfer Feuerwehr. Gemeinsam mussten wir also eine ca. 0,5 Meter breite Schneise im Wald buddeln, in der das Feuer auslaufen sollte.

 

Unsere, eigentlich recht junge Truppe, hatte diese Technik noch nie im Einsatz ausführen müssen, bisher standen immer ausreichend Wasser zur Verfügung, um Brände mit dem Strahlrohr erfolgreich besiegen zu können. Selbst unser Gruppenführer meinte am Ende des Einsatzes, dass er diese Methode bisher nur in der Ausbildung vermittelt bekommen hatte. Ein Zeichen dafür, dass sich unser wöchentliches Training bezahlt macht. Am Ende ging der Plan auf und wir konnten unsere Flanke erfolgreich halten.

 

Als wir dann am Freitagmorgen, irgendwann gegen 6 Uhr, den Wald verließen und unsere Wache anfuhren, merkte man allen im Fahrzeug die Erschöpfung an. Unsere Wache war bereits von der Verpflegungsgruppe in Beschlag genommen, um die Einsatzkräfte versorgen zu können.

 

Zu Hause angekommen fiel ich nur noch ins Bett. Nach 3 oder 4 Stunden Schlaf, machte ich mich wieder auf den Weg zur Wache. Auch dort nahm das Einsatzgeschehen weiter seinen Lauf. Unsere Einsatzzentrale wurde in der Zwischenzeit zur Spenden- und Versorgungskoordinationsstelle. Von Hier aus wurden Spendenanfragen in jeglicher Form bearbeitet. Da sich die Organisation der Versorgung der Einsatzkräfte anfangs noch finden musste, die Kameraden draußen aber Hunger hatten, besetzte ich gemeinsam mit anderen Kameraden kurzerhand unsere noch vorhandenen Einsatzfahrzeuge und brachte Lunchpakete und Trinken in die Einsatzabschnitte. Bei der Fahrt durch die Einsatzstelle, wurde, jetzt bei Tageslicht, das Ausmaß des Brandes und der Umfang der eingesetzten Kräfte und Mittel erst deutlich.

 

Parallel dazu wurde in der Einsatzzentrale ein Schichtplan erstellt, um eines unserer Löschfahrzeuge im 24h-Betrieb besetzen zu können. Da ich eh Urlaub hatte und mich auch sonst mein Arbeitgeber für Feuerwehreinsätze freistellt, ließ ich mich, quasi in Dauerschleife, in die Schicht 15 – 21 Uhr eintragen. So entwickelte sich es so, dass ich in den Folgetagen meine Schicht im Wald durchführte und im Anschluss Nachtschicht in der Zentrale schob. Tagsüber standen meist ausreichend Kräfte zur Verfügung sodass sich dieses System, auf Grund meiner Möglichkeit, mir die Dienste frei einteilen zu können, anbot.

 

Da über die Löscharbeiten draußen im Wald bereits viel geschrieben wurde, berichte ich über die Aufgaben, welche wir in unserer Zentrale, im Hintergrund, leisteten. Gerade in den ersten Tagen bildeten wir in unserer Feuerwache so zu sagen auch eine „Schnelle Eingreiftruppe“ für organisatorische Angelegenheiten.

 

So mussten wir beispielsweise, ich glaube Freitagabend, an unseren Baggersee ausrücken, um dort, gemeinsam mit der Polizei, für eine Wasserentnahmestelle der Landwirtschaftsfahrzeuge Platz zu schaffen. Denn mit Ihren bis zu 35m³ fassenden Tanks, produzierten diese, auf Grund der Füllzeit, an den vorhandenen Wasserversorgungen nur unnötigen Stau.

 

Auf Grund des drehenden Windes spitzte sich die Lage auch in der Nacht zum, ich glaube Sonntag (das Zeitgefühl war in diesen Tagen Fehlanzeige), noch einmal zu. „Bewaffnet“ mit Gaswarngeräten, mussten wir nach Frohnsdorf eilen, weil dort, vermutet wurde, dass sich giftige Gase in der Ortslage sammelten. Aber Glück gehabt, die Geräte gaben in allen Bereichen des Dorfes Entwarnung.

 

Es gäbe noch so viel zu berichten, zahllose Eindrücke habe ich in den 9 Tagen Dauereinsatz sammeln müssen oder sammeln dürfen. Doch ein Eindruck bleibt nachhaltig, das Gefühl, wenn alle Kameraden an einem Strang ziehen, etwas scheinbar unmögliches zu schaffen und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt in einer der schlimmsten Situationen die es je gab, geholfen zu haben. Dieses Gefühl macht mich stolz Feuerwehrmann zu sein.

 

Foto: Steven Bartel