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„Friederike“: Wehren im Fläming haben viel zu tun

Hoher Fläming „Friederike“: Wehren im Fläming haben viel zu tun

Die Feuerwehrleute im Hohen Fläming hatten gut zu tun, nachdem das Orkantief „Friederike“ zahlreiche Bäume zum Umsturz gebracht hatte. Allerdings waren die Blauröcke insgesamt gut organisiert. Noch reichlich Reparaturbedarf verzeichnet der regionale Stromversorger. So auch die Bahn. Der RE 7 nach Dessau fährt gar nicht, sondern ab Bad Belzig nur ein Bus.

Einsatzkräfte der Freiwillige Feuerwehr Wiesenburg/Mark  hatten  an der B 107 nach dem Sturm Friederike viele Aufräumarbeiten zu erledigen.

Einsatzkräfte der Freiwillige Feuerwehr Wiesenburg/Mark hatten an der B 107 nach dem Sturm Friederike viele Aufräumarbeiten zu erledigen.

Quelle: FFW Wiesenburg
 
Bad Belzig. Auf dem Fläming-Bahnhof in der Kur- und Kreisstadt haben am Freitagvormittag mehr Reisende als üblich – und das nicht ganz freiwillig – einen Stopp eingelegt.

Denn während der Regionalexpress 7 von und nach Berlin vergleichsweise planmäßig verkehrte, war die Verbindung nach Dessau mindestens bis in den Nachmittag hinein unterbrochen. „In Sachsen-Anhalt müssen erst die zahlreichen Schäden auf verschiedenen Strecken beseitigt werden“, hat Holger Auferkamp, Sprecher der Deutschen Bahn-AG, auf MAZ-Anfrage erklärt. Von mittags an waren dann wenigstens Busse als Ersatz via Wiesenburg und Medewitz ins Nachbarland unterwegs.

In der Zentrale der Feuerwehr Wiesenburg liefen alle Informationen zusammen

In der Zentrale der Feuerwehr Wiesenburg liefen alle Informationen zusammen.

Quelle: FFW Wiesenburg

 

Ursache für gerissene Oberleitungen und Bäume auf den Schienen war das Orkantief „Friederike“. Es ist mit deutlich mehr als 100 Kilometern je Stunde über den Hohen Fläming gezogen. Dort hat es tatsächlich im äußersten Südwesten des Landkreises Potsdam-Mittelmark seine Spuren hinterlassen.

 

„Etwa 300 Haushalte im Raum Groß Marzehns, Klein Marzehns und Klepzig waren die ganze Nacht ohne Strom“, hat Ralf Lennecke die Grenzerfahrung bestätigt. „Auf dem sogenannten Balkan gibt es zwar einen Versorgungsring. Doch wenn die Bäume reihenweise in die Freileitungen stürzen, helfen die Umschaltungen nur kurz“, so der Netzbetriebsmeister des Eon-Edis-Regionalzentrums Bad Belzig.

Die Freiwillige Feuerwehr bei Aufräumarbeiten an der B 107

Die Freiwillige Feuerwehr bei Aufräumarbeiten an der B 107.

Quelle: FFW Wiesenburg
 

Im Lauf des Vormittags waren die meisten Kunden wieder versorgt. In den Splittersiedlungen wie Wüstemark bei Garrey oder Arensnest bei Schlamau brauchte es noch etwas mehr Geduld, ehe die Versorgung wieder hergestellt war. „Die Kollegen, einschließlich Partnerfirmen, haben noch einige Reparaturfälle auf dem Zettel“, berichtete Lennecke. Stromausfälle über freilich kürzere Zeiten hatte es am Donnerstagabend sowohl nördlich als auch südlich von Bad Belzig, im Raum Hohenlobbese sowie den Gemeinden Planetal und Mühlenfließ gegeben, sind dann aber buchstäblich überbrückt worden.

Lokale Leitstellen in Gerätehäusern

Die B 107 zwischen Jeserig/Fläming und Landesgrenze war Haupteinsatzgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Wiesenburg/Mark. 14 mal wurden sie insgesamt alarmiert. „Die Kameraden haben zwei Bäume von der Straße geholt. In der Zwischenzeit sind drei weitere umgestürzt“, so Ordnungsamtsleiter Jens-Uwe Werner. Im Gerätehaus am Borner Weg war temporär eine lokale Leitstelle für die Floriansjünger eingerichtet worden.

Ähnlich waren die Blauröcke in fast allen Fläming-Kommunen organisiert. „16 Einsätze – die meisten in Rabenstein/Fläming – mussten bewältigt werden“, bestätigt Tino Bastian für das Amt Niemegk. Zum Glück ist nirgendwo jemand verletzt worden. Häuser und Höfe blieben von den Wetterunbilden ebenfalls verschont. „Anders als bei den Herbststürmen waren es diesmal Bäume ohne Blätter, die zu Boden gingen“, berichtet Raphael Thon, Ortswehrführer in Bad Belzig. Siebenmal waren seine Mitstreiter zwischen Groß Briesen und Bergholz gefordert.

 
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In Treuenbrietzen sorgten die Feuerwehrleute für freie Fahrt auf B 2 und B 102. „Größere Probleme gab es bei uns nicht, die Nacht verlief dann ohne Einsätze“, sagt Olaf Fetz. Und auch am Morgen nach dem Sturm, „wenn ansonsten Autofahrer meist noch gefährlich stehende Bäume bemerken, gab es diesmal keine Meldungen“, sagt der Stadtwehrführer. Er hatte Donnerstagnachmittag im Gerätehaus am Anger eine Bereitschaft eingerichtet. 15 Leute waren vor Ort auf Abruf. Als sich der Sturm legte, wurde diese Sonderwache jedoch gegen 19.30 Uhr wieder aufgelöst. Bürgermeister Michael Knape (parteilos) und Bürgeramtsleiter Ralf Gronemeier hatte vorsorglich im Rathaus den Posten gehalten. Besondere Vorfälle gab es aber auch dort nicht.

Gute Stimmung

Gute Stimmung: Bei der Treuenbietzener Feuerwehr hielten sich einige Helfer angesichts von  Sturm „Friederike“ direkt in der Wache in Alarmbereitschaft.    

Quelle: privat
 

Auch im Amt Brück hielten sich die Sturmschäden in Grenzen. „Größere Einsätze der Feuerwehren gab es nicht“, sagt Ordnungsamtsleiterin Marion Jahn. Lediglich Am Finkenhain in Borkheide musste die Feuerwehr tätig werden, weil eine herabgebrochene Baumkrone zu Gefahr wurde.

„Schulen und Kindergärten waren bei uns nicht vorzeitig geschlossen worden, da wir der Ansicht sind, dass die Kinder in den Gebäuden sicherer sind als irgendwo auf den Straßen“, erklärt Marion Jahn. Bei ihr gingen am Freitagmorgen einige Meldungen von Bürgern ein, die umgestürzte Bäume registriert hatten. Mitarbeiter des Bauhofes rückten zu Kontrollfahrten aus.

 

Von René Gaffron und Thomas Wachs

 

Quelle: MAZ-Online vom 20.01.2018